Uruguay

Villa Rodriguez und Capurro, Uruguay

Nuestra Señora del Rosario in Villa Rodriguez
Die Partnerschaft besteht seit 1988 und entwickelte sich aus zuerst privaten Kontakten, dann durch eine Paketaktion einer Gruppe von Gemeindemitgliedern.

Die Partnergemeinde Nuestra Señora del Rosario (Unserer lieben Frau vom Rosenkranz) liegt in Villa Rodriguez, einem Ort mit knapp 3.000 Einwohnern und kleines Zentrum einer landwirtschaftlichen Region, circa 90 km von der Hauptstadt entfernt. Die Partnerschaft erstreckt sich außerdem auf den Nachbarort Capurro der zur Pfarrei in Rodriguez gehört, Cristo Redentor (Christus Erlöser), sowie einige “Capillas” genannte ländliche Filialen. Das Gebiet der Pfarrei umfasst eine Ausdehnung von circa 20 auf 35 km.

Anlässlich des Weltjugendtages 2005 haben wir erstmals Jugendliche aus Uruguay eingeladen, im Frühjahr 2007 besuchten schließlich zehn Jugendliche unserer Gemeinde die Pfarrei in Rodriguez – Freundschaften wurden vertieft und Beziehungen ausgebaut.

Im Jahr 2009 besuchten dann zehn Jugendliche aus Uruguay, ein Mitglied des Pfarrgemeinderates und ihr Pfarrer Gustavo Rébon unsere Pfarrgemeinde St. Martin in Kaiserslautern. In einem vielfältigen Programm, das die Gäste zusammen mit Jugendlichen unserer Gemeinde auch nach Berlin führte, lernten wir uns besser kennen.
 

Jugendbegegnung 2009

Am Sonntag, den 05. Juli 2009, hieß die Pfarrgemeinde der Martinskirche und Pfarrer Norbert Kaiser unseren Besuch aus Uruguay, Pfarrer Gustavo Rebón, Marcelo Revetria, Cristian Roquero, Diego Toribio, Álvaro Cantirán, Mayra Matinez, Martin Boulang, Ana Clara Bondad, Kareu Jero, Nacho Fagián, Luciana Gaione und Gimena Gabrera herzlich willkommen. Die zehn Jugendlichen und ihre beiden Begleitpersonen waren am Mittwochabend wohlbehalten in Kaiserslautern bei ihren Gastfamilien angekommen.

Pfarrer Kaiser begrüßte unsere Gäste, „Sich auf Gott einlassen, das zwingt uns zu gehen. Gott selbst zwingt uns zu gehen – mit ihm – weil auch er geht ständig seinen Weg – zu uns Menschen, mit uns Menschen. So war es schon bei Abraham – er musste noch mit 75 Jahren gehen – in fremdes, ihm unbekanntes Land. „Ein Segen sollst Du sein!“ Wer zurück bleibt, an seinem festen Ort verbleibt – äußerlich oder auch innerlich – wer bei sich selbst bleibt, der segnet nicht. Wohin Abraham geht und kommt, da bringt er Segen – er bringt Gott.

Unsere Gäste – sie bringen uns Segen. Mit ihnen besucht uns – auf neue Weise – Gott. Schon deshalb für uns die Herausforderung: „Übt die Gastfreundschaft.“ Denn, so wird es Abraham zugesprochen: „Ich will segnen, die dich segnen.“ – Wir dürfen füreinander Segen sein.

Partnerschaft zwischen unseren Gemeinden ist nicht zu vergleichen mit einem Entwicklungshilfeprogramm – um materielle Hilfe geht es natürlich auch.

Partnerschaft zwischen Christengemeinden – da wird die Erde tief ausgehoben, da werden Fundamente auf Fels gestellt – wie im Evangelium gefordert. Und dieser Fels ist unser Gott.

Partnerschaft zwischen Christengemeinden ist gemeinsamer Glaube, gemeinsam sich mit unserem Gott auf den Weg machen und auf dem Weg sein: miteinander in Gott verbunden – füreinander Gottes Segen.“
 

Projekte

Club de Niños Nazareth

Der Kinderklub Nazareth ist eine Einrichtung im ehemaligen Schwesternhaus von Rodriguez, in dem täglich ca. 60-70 Kinder im Alter von 3-15 Jahren aus den ärmsten Familien des Ortes betreut werden. Sie werden betreut und erhalten eine warme Mahlzeit (oft die einzige am Tag), es stehen Bücher und Spiele zur Verfügung. Die Hausaufgabenhilfe ist ein Schwerpunkt.

Ziel ist es, dem Problem von Straßenkindern vorzubeugen, indem man einen solchen Anlaufpunkt mit Bezugspersonen schafft, bei denen sie Zuneigung, Wärme und Geborgenheit und somit Augenblicke „unbeschwerter Kindheit“ erfahren können. Die Einrichtung wird vom Staat gefördert, regelmäßig kommen auch ein Zahnarzt sowie eine Sozialarbeiterin vorbei. Es wurde auch mit den Kindern zusammen ein eigener Nutzgarten angelegt.
 

Colonia Etchepare und Carlos Santin Rossi

Auf dem Pfarrgebiet von Capurro liegen die beiden großen und einzigen Psychiatrischen Anstalten Uruguays mit fast 2.000 Patienten. Die Zustände dort sind unmenschlich und haben nichts mit moderner Psychiatrie zu tun. Ein Teil der Patienten kann tagsüber die Anstalt verlassen, andere entwischen und schleichen sich heimlich davon. Viele schauten bei Pfarrer Mario vorbei, in dem sie immer (und zu jeder Zeit) einen Ansprechpartner gefunden haben, der mit ihnen spricht und ihnen etwas Mate, Zucker, Tabak, Batterien für Radios oder andere Kleinigkeiten gibt. Dieses unkomplizierte und direkte Helfen von Pfarrer Mario unterstützen wir.
 

Olla Popular

Während der großen Wirtschaftkrise entstanden zuerst durch Nachbarschaftsinitiativen sogenannte „ollas populares“ (Volksküchen), bei denen für die ärmsten und bedürftigsten Menschen des Ortes eine warme Mahlzeit gekocht wurde. Für viele war es die einzige richtige Mahlzeit am Tag. Viele helfen mit, bringen Lebensmittel vorbei oder kochen. Diese Initiative wird seither immer während der Wintermonate fortgeführt.
 

Club Social

Ehrenamtliche Gemeindemitglieder kümmern sich um Arme und in Not geratene Familien, insbesondere um Kinder. Es wird der Kauf von Medikamenten, Lebensmittel, Kleidung und der Besuch beim Arzt etc. organisiert, ebenso wird Betreuung gewährleistet und die Suche nach einer Unterkunft unterstützt.
 
Kinder in Uruguay 

Colegio La Immaculada (Katholische Schule)

Die katholische Schule in Rodriguez wird zur Zeit von ca. 70 Schülerinnen und Schülern besucht. Es gibt verschiedene Altersstufen, von Kindergarten über Vorschule bis zur Grundschule. Der Unterricht findet immer am Nachmittag von 13.00 Uhr bis 17.15 Uhr statt.

Der ganze Stolz der Schule ist eine kleine Bibliothek, die mit finanzieller Hilfe aus St. Martin vor einigen Jahren angeschafft wurde und ein Computerraum mit zwei Computern, davon wurde einer von St. Martin finanziert.
 

Gruteca – Strickzentrum

Hier treffen sich Frauen, um Kleidung zu stricken, zu nähen und zu flicken. Mit dem Verkauf ihrer selbst-gemachten Produkte bestreiten sie für ihre Familien den Lebensunterhalt.
 

Hilfe für Senioren

Wir unterstützen die Renovierung eines „Seniorenheim“ – eine Gemeinschaftsunterkunft für Senioren, die nicht mehr alleine und nicht ohne Hilfe zu Hause leben können.
 

Uruguay: Land und Leute

Uruguay ist gerade einmal halb so groß wie Deutschland und hat nur circa 3,2 Millionen Einwohner, wovon knapp die Hälfte (1,5 Mio.) in der Hauptstadt Montevideo leben. Der offizielle Name des Landes República Oriental del Uruguay (Republik östlich des Uruguay) bezieht sich auf den gleichnamigen Fluss Uruguay, der aus der Sprache der Charrúa Indianer so viel bedeutet wie „Fluss der bunten Vögel“.

Nationalgetränk, und mehr als nur etwas zu trinken, ist Mate, der aus den Blättern des Baumes „Ilex Paraguaniensis“ gewonnen wird. Die getrockneten und fein geschnittenen Blätter (Yerba) werden mit heißem Wasser übergossen und mit einem Saugrohr (Bombilla) aus einer Kalabasse (Mate) getrunken. Es ist eine soziale Handlung, die auch Gemeinschaft stiftet, denn nicht jeder trinkt seinen eigenen Mate, sondern man trinkt mit ein- und derselben Bombilla aus ein- und derselben Kalebasse, die im Freundeskreis herumgeht. Einer gießt den Mate auf, gibt die Kalebasse an jemand anderes weiter, der die Flüssigkeit heraussaugt und sie dann dem Spender zurückgibt. Der füllt erneut auf und reicht sie dann einem anderen weiter. Man bedankt sich, wenn man nicht mehr weitertrinken will.

Uruguay ist weltberühmt für sein Rindfleisch. Dementsprechend ist das Asado mehr als ein gegrilltes Stück Fleisch, es ist ein Ritual, das am Wochenende oder zu besonderen Anlässen (wie zum Beispiel der Besuch von Freunden) praktiziert wird. Gegrillt wird nicht auf Holzkohle, stattdessen wird hartes Holz verbrannt, die dabei entstandene Glut wird unter einen Rost gezogen und darauf wird gegrillt. Das ganze dauert Stunden, denn ein Asado besteht aus einer bestimmten Folge von verschiedenen Würsten und Fleischstücken. Die Kunst des „Asadors“ besteht darin, das richtige Stück Fleisch zum richtigen Zeitpunkt richtig gegart zu haben.

Besondere Sehenswürdigkeiten sind neben der Hauptstadt Montevideo, das unter UNESCO Weltkulturerbe stehende Kolonialstädtchen Colonia del Sacramento, die weite Pampa mit den Estancias und den Gauchos und die traumhafte Küste mit herrlichen Stränden besonders am Atlantik mit dem berühmten Bedeort Punta del Este, aber auch am Río de la Plata.

Uruguayer sind absolut fußballverrückt! Die Nation teilt sich hauptsächlich in zwei große Fanlager, nämlich in die Anhänger der beiden großen Klubs aus Montevideo, Nacional und Peñarol. Besonders stolz ist man darauf, dass 1930 die erste Fußballweltmeisterschaft in Uruguay stattfand, bei der Uruguay Weltmeister wurde. Diesen Triumpf wiederholten die “Charrúa” 1950 in Brasilien.

Außerdem war Uruguay 1924 und 1928 Olympiasieger im Fußball.